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Das Tanzzentrum der Tanz- Bewegungs- und Begegnungs-  Genossenschaft im Tonwerk

 

Eine Dokumentation für den Zeitraum vom
Beginn bis zum Sommer 2009

 

Aus feuerpolizeilichen Gründen musste das ehemalige „Tanzzentrum Schaffhausen“ im Sommer 2004 nach 17 Jahren seinen Betrieb an der Mühlenstraße gegenüber dem Kraftwerk EKS einstellen. Das Tanzzentrum  war zu diesem Zeitpunkt bereits Bestandteil der im Jahre 2002 gegründeten „Tanz- Bewegungs- und Begegnungsgenossenschaft  Schaffhausen.“  Während mehr als vier Monaten ist das Tanzzentrum danach obdachlos. Bereits vor dieser Zeit hatten Mitglieder des Vorstands der Genossenschaft mit dem seit Jahren leer stehenden  „Tonwerk“ geliebäugelt. Es wurden auch verschiedene andere Standorte geprüft, doch schlussendlich entsprach das Tonwerk am besten den Erfordernissen.

 

 Nach unzähligen Verhandlungen um die Betriebsbewilligung (2004 immer noch erschwert wegen fehlender Parkplätze) können die Gemeinde Neuhausen und die Anwohner davon überzeugt werden, dass sie keine erhöhten Belästigungen durch Lärm, Abgase und verstellte Ausfahrten befürchten müssen, wie das 1995 während des damaligen Betriebes der Groß- Discothek im Tonwerk der Fall war. Die Zusicherung der Genossenschaft, dafür zu sorgen, dass im Rheinweg nicht geparkt wird, in Verbindung mit der Erklärung, dass im Tonwerk nur Tanzkurse und Übungsabende, aber keine Großveranstaltungen stattfinden, sind ein erster Schritt auf der Weg zu einer vorläufigen Betriebsbewilligung für die Genossenschaft. Die  Kursteilnehmer und die Besucher der Tanz- und Übungsabende werden darauf aufmerksam gemacht, dass das Parkieren am Rheinweg nicht erlaubt ist. Zusätzlich erhalten die Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel eine Ermäßigung des Kurshonorars oder des Eintritts. Nur wer von auswärts mit dem Auto anreist, hat die Erlaubnis, ab 18.30 Uhr freie Parkplätze seitlich des „Rhypark" (von der Rheinweg - Einfahrt bis zum Tonwerk) sowie die bisherigen Parkplätze beim Elektrizitätswerk zu nutzen. Mit diesen Zugeständnissen von Seiten der Genossenschaft wird schließlich eine befristete Betriebsbewilligung auf Zusehen hin erteilt.
Damit war für die Tanz- Bewegungs- und Begegnungsgenossenschaft endlich der Weg frei, die für ihre Belange vorgesehenen Räume im Tonwerk anzumieten, weil die Vermieter die
Vorlage der Betriebsbewilligung als Voraussetzung für den Abschluss eines Mietvertrages verlangten.


Die Gegenwart des Tonwerks beginnt für die Tanz- Bewegungs- und Begegnungs- Genossenschaft mit dem Mietvertrag vom 30. Oktober 2004

 

Trotz fast idealer Voraussetzungen im Tonwerk kommt die Genossenschaft allerdings um bauliche Veränderungen nicht herum. Aus Kostengründen und um den Betrieb möglichst rasch aufnehmen zu können, wird der Umbau in mehrere Etappen aufgeteilt. Die Bauarbeiten beginnen Ende Oktober, Anfang November 2004. In einem ersten Schritt wird der Tanz- und Barbereich sowie die Toilettenanlage renoviert und die feuerpolizeilichen Vorschriften erfüllt (6 Notausgänge, ein Rettungsgang und eine Brandmelde-Anlage, welche entsprechend den heutigen Vorschriften dem Betrieb mit ca. 600 Personen angepasst ist). Der vordere Teil beim Eingangsbereich wird abgetrennt. Außerdem werden die vorhandenen Fensteröffnungen wieder hergestellt, Spiegel eingebaut, die Bühne entfernt und die tiefer gelegene Tanzfläche aufgefüllt, vieles davon in Fronarbeit.
Ein reduzierter Tanzbetrieb kann dann auf dem harten Betonboden schon gegen Ende November 2004 aufgenommen werden.

 

Im zweiten Schritt werden die Eisenträger für die Aufhängung der Trennwand eingebaut. In dieser Zeit hat der Unterlagsboden Zeit zum Austrocknen. Dann folgt das Verlegen des Tanzparketts. Entsprechend einer Sponsoring-Idee kann der Boden von den Kursteilnehmern quadratmeterweise gekauft werden. In der Folge entsteht dadurch ein idealer Schwingboden. Diese ganzen Arbeiten werden über Weihnachten und Neujahr erledigt, genauso wie auch der Einbau der Schiebewand des alten Tanzzentrums aus der Mühlenstrasse, die erfreulicherweise ohne Abänderung passt. Nach Abschluss dieses Einbaus können dann in den abgetrennten Räumen zeitgleich zwei Kurse stattfinden. Da im kleineren der beiden Räume keine Fenster vorhanden sind, wird im Herbst 2005 entschieden, eine Wand abzubrechen, um Zugang zu den dahinter liegenden Fenstern zu erhalten. Ferner wird eine kleine Garderobe und eine Sitzecke eingebaut und noch ein Stück Tanzboden ergänzt.
 
In dieser Zeit erledigt die Genossenschaft auch die im Mietvertrag enthaltenen „Besonderen Vereinbarungen.“  Noch vor dem festgelegten Termin sind die wesentlichen Punkte, nämlich die Trennung der elektrischen Installationen, die Anpassung der Lüftung und der Heizung an das bestehende System und die Trennung des 2. Stockwerkes vom Dachgeschoss gemäß den Erfordernissen der kantonalen Feuerpolizei Schaffhausen durchgeführt.

 

Nachdem all diese Veränderungen abgeschlossen sind, kommt es im Winter 2005 zu Betriebsproblemen mit dem Lift. Die Ursache ist in der zu niedrigen Temperatur für den Öldruckzylinder zu finden. Als Folge davon wird das Öl zu dick und es kommt zu immer häufigerem Stillstand des Lifts. Abhilfe muss die Genossenschaft durch Isolation des Ölraums schaffen.

 

 Im Frühjahr 2006 wird der Einbau einer behindertengerechten Toilette notwendig. Nur so ist es möglich, dass die von einigen Behinderten-Organisationen regelmäßig durchgeführten Tanznachmittage stattfinden können. Die Genossenschaft findet dafür Unterstützung bei verschiedenen Behindertenorganisationen und externen Sponsoren, die einen Teil der Kosten tragen.

 

Weil es sowohl im Jahr  2004 und auch 2005 im Winter einfach immer zu kalt war, wird im Herbst 2006 damit begonnen, das Treppenhaus zu isolieren. Danach wird es im ganzen Haus etwas wärmer. Im Winter 2006 werden auch die Decken der großen WC-Anlage renoviert, welche zum damaligen Zeitpunkt gleichzeitig den Estrichboden des darüber liegenden Geschosses bilden. In Fronarbeit werden sie weiß gestrichen, was eine insgesamt freundlichere Atmosphäre bewirkt. Auf dem alten Estrichboden über den WC-Anlagen wird anschließend ein Brandschutzboden eingebaut.

 

 Für all diese Arbeiten werden 5100 freiwillige Arbeitsstunden, größtenteils durch den Vorstand und durch die Tänzer und teilweise auch von einer ganzen Schulklasse aufgewendet. Insgesamt sind rund 300 000 Franken investiert worden.
 
Nach all diesen Anstrengungen war die Freude groß, endlich zu einem Abschluss gekommen zu sein. Trotz der andauernden Bauarbeiten war der Kursbetrieb durch sauberes Abtrennen und gute Arbeitsplanung bis dahin ohne Unterbrüche möglich; sogar Übungstanzpartys konnten an den Wochenenden durchgeführt werden.
 
Anfänglich hatte die Genossenschaft das gesamte zweite Stockwerk gemietet, sich jedoch im Laufe der Umbauarbeiten und aufgrund feuerpolizeilicher Vorschriften nur noch auf den rückwärtigen Teil konzentriert. Der vordere Eingangsbereich wurde aus diesem Grund mit der Hausverwaltung um die Galerie abgetauscht. Im Sommer 2007 entsteht durch eine Abtrennung auf der Galerie ein kleiner Raucherraum.


Die Hausverwaltung beabsichtigte ursprünglich, ein Restaurant oder eine Kantine einzubauen. Da aber die Wände nicht isoliert und nicht stabil genug waren, ließ man von diesem Vorhaben wieder ab. Es wurde entschieden, stattdessen  Mieter für Büro-Räumlichkeiten zu suchen. Mit dem neuen Mieter wollte die Hausverwaltung dann den vorderen Bereich und das Dachgeschoss des Tonwerks in Büros umwandeln.

 

Diese Entscheidung war für die Genossenschaft der Beginn vieler Probleme, sowohl in arbeitsmäßiger wie in finanzieller Hinsicht.


Nachdem diese Umwandlung feststand, ergab die Planung, dass dadurch sowohl die Küche im Dachgeschoss als auch die Lüftungs-Verteilanlage im Weg ist. Die Genossenschaft  ist dadurch gezwungen, im November 2007 wieder mit Umbauarbeiten zu beginnen. Die Strom-Hauptverteilung muss in den Getränkeraum versetzt werden. Da die Lüftungsverteilung im Dachgeschoss zu viel Platz braucht, wird sie an die Decke des Getränkeraums versetzt. Die Kühlzelle auf der Galerie wird demontiert, weil dort neu ein Fluchtweg entsteht. Im Januar 2008 wird auch die Kücheneinrichtung von der Genossenschaft teilweise demontiert. Die Änderungen an der Lüftungsanlage dauern bis Februar 2008.
 
Anfang März 2008 sollen gegen den durch die Abbrucharbeiten entstehenden Staub die beiden Bereiche Tanzzentrum und künftiger Bürobereich mit Trennwänden sauber abgetrennt werden. Entsprechend den Zusicherungen von  Architekt und Bauleiter sollten dadurch im Tanzzentrum Störungen und Staubbelastungen vermieden werden und der Betrieb normal weiter geführt werden können. Doch leider verläuft es nicht planmäßig! Die Belastungen durch den Umbau machen nach und nach eine Weiterführung des Tanzbetriebes völlig unmöglich.
 
Am 18. März 2008 findet die Kursleitung die Tanzfläche schneeweiß vor. Der Betonstaub hat sich überall abgesetzt und der Kurs kann nicht ordnungsgemäß abgehalten werden. Die geplanten und versprochenen Trennwände waren nicht installiert worden. Dadurch konnte der ganze Staub eindringen und sich überall auf Musikanlagen, Lüftungsanlage, Computer, beiden Bars, auf den vielen Gläsern und den Getränken absetzen. Das gesamte Inventar ist staubbedeckt. Versehentlich brechen die Bauarbeiter die falsche Decke über der Toilettenanlage ab, was dann auch noch die Benutzbarkeit der WC’s beeinträchtigt.
 
Am 26. März 2008 werden die Präsidentin und ein Vertreter des Vorstandes der Tanz-Genossenschaft gerufen, um das Mietobjekt zu besichtigen. Zwei Wochen zuvor war begonnen worden, auf dem gleichen Stock neben den Mieträumen der Genossenschaft die neuen Büros zu erstellen. Nach Angaben der Vorstandsmitglieder wurden seitens des Vermieters (Bauleitung) weder detaillierte Orientierungen noch ein Zeitplan über die Umbauarbeiten an die Genossenschaft weitergegeben. Die Genossenschaft versucht notgedrungen, durch eigene Reinigungsmaßnahmen den Betrieb aufrecht zu erhalten. Die sich wiederholenden Verschmutzungen lassen dies am Schluss nicht mehr zu. Die Schuld hierfür ist weitestgehend der Bauleitung anzulasten, die trotz Kenntnis der Sachlage keine der zum Teil möglichen und zugesagten Schutzvorkehrungen getroffen hat.

 

 

 
(Abbruch der Decke über die neuversetzten Lüftungsrohre im Tanzlokal)

 

  

Durch die Tatsache, dass das Genossenschafts-Mietobjekt und die neu zu erstellenden Büros  ineinander „verschachtelt" sind, zeigt es sich, dass es unmöglich ist, den Umbau durchzuführen, ohne den Betrieb des Tanzlokales zu tangieren. Die Bauleitung teilt am 28. März der Genossenschaft schriftlich mit, dass es angezeigt ist, den gesamten Tanz- und Unterrichtsbetrieb für zwei Monate zu schließen. Ende März 2008 wird der Betrieb praktisch eingestellt. Nur im ganz kleinen Tanzsaal, welcher etwas besser abgetrennt werden kann, können einige Untermieter weiter tanzen. Lärm und Staubbelastung sind jedoch auch hier nicht zu vermeiden. So weit möglich, reinigen Freiwillige und Jugendliche einiges Inventar vom Staub. Platten, CDs und technische Anlagen werden so weit wie möglich eingelagert. Die Getränke werden von der Brauerei Falken abgeholt. Das Tanzparkett und das übrige Inventar werden sorgfältig abgedeckt, um weitere Schäden zu vermeiden. Zusätzlich werden in eigener Regie Trennwände im Bar- und Tanzbereich aufgestellt.

 

Am 3. April 2009 kommt es zu der dringend erforderlichen gemeinsamen Sitzung des Vorstands der Genossenschaft mit Vertreter des Hauseigentümer. Der Vertreter vom Hauseigentümer orientiert die Vorstandmitglieder über die Umbauaktivitäten im Gebäude und die entstandenen enormen Statik- und Akustikprobleme.

Dadurch immer wieder entstandene Verzögerungen bei den Bauarbeiten der Büros machen es notwendig, den Betrieb des Tanzzentrums rückwirkend vom 1. April bis ca. August 2008 einzustellen. der Hauseigentümer versicherte dem Vorstand in dieser Sitzung auch deutlich, die Kosten aller notwendigen Reinigungsarbeiten und aller baulichen Anpassungsarbeiten an Brandschutz-, Lüftungs,- Lift- und Elektroanlagen des Tanzzentrums vollumfänglich zu übernehmen
 
Ärgerlicherweise müssen nun auch die Lüftungsrohre, die zuvor nach Absprache mit Architekt und Bauleitung in mühsamer Arbeit verlegt worden waren, erneut abgebrochen werden. Die Notwendigkeit dafür ergibt sich durch die Verschiebung der Trägerachse, die wiederum durch den Austausch der ursprünglich nicht vorgesehen Holzträgerbalken bedingt ist. 

 

      Auch Galerie (kleiner Saal)
       und Lüftungszentrale sind
      verstaubt. Es wurden die
       Verkleidungen der Decken
       und der Wände abgebrochen

  

 Im April stellen Genossenschaftsmitglieder Schäden in den WC–Anlagen fest. Die Lavabos waren von den Arbeitern der Baufirma nicht abgedeckt und teilweise abmontiert worden. Sie wurden einfach kurzerhand ungeschützt auf dem Boden abgestellt. Bei den folgenden Decken-Arbeiten ist zwangsläufig Abbruchmaterial darauf gefallen, so dass Verschiedenes zu Bruch geht. Die Spezialwasserhähne verstauben und die Abläufe sind voll mit Bauschutt. Auch die großen Wandspiegel sind zerschlagen und müssen von der Genossenschaft ersetzt werden, Gleiches gilt für den Spiegel beim Eingang zur Küche.
 
Die Stromkabel, die von Freiwilligen aus den Rohren und Kabelkanälen gezogen und zur Wiederverwendung zur Seite gelegt worden sind, verschwinden spurlos. In der kleinen neuerstellten Küche mit Notausgang wird das bereits montierte Wasserrohr wieder demontiert, was nicht nötig gewesen wäre. Auch werden Stromleitungen einfach durchgetrennt und achtlos liegen gelassen, obwohl sie teilweise sogar noch unter Strom  standen.

 

 Sodann stellt die Bauleitung fest, dass der Giebel über der Tanzfläche abgebrochen werden muss, weil der Schall in den Büros andernfalls zu stark sei. Zur Sicherheit des Parketts wird über die bereits liegende Abdeckung eine zweite Abdeckung gelegt. Nur so kann ein Gerüst zum Schutz der Lichtanlage gebaut werden. Im Verlauf zeigt sich dann jedoch leider, dass am Giebel mehr abgebaut werden muss als erwartet. Trotz Schutz und Abdeckung verstaubt die Lichtanlage stark. Geräte und Lampen werden mit Betonwasser verunreinigt. Auch die Lüftungsanlage gerät stark in Mitleidenschaft, da sie als Staub-Aufsauganlage missbraucht wird. Später wird sie außerdem als Trocknungsanlage zweckentfremdet. Im gleichen Zeitraum werden Eisenträger bei der WC-Anlage eingebaut, um die Decke darauf zu befestigen. Bei diesen Arbeiten werden die Steuerleitungen des Lifts durchtrennt. Durch den dadurch verursachten Kurzschluss kommt es zu weiteren Schäden am Liftsystem. Mitte Mai ist dann endlich auch der Giebel wieder aufgemauert.
Die erforderlichen Malerarbeiten werden von freiwilligen Helfern der Genossenschaft vorgenommen. 
 
Der Einsatz unserer Helfer und auch der Einsatz von Jugendlichen für viele der erforderlichen Arbeiten dienen dem Zweck, die von der Hausverwaltung zu erstattenden Kosten  deutlich niedriger zu halten, als bei einem Einsatz von Handwerkern.  In diesem Zusammenhang muss auch erwähnt werden, dass die Genossenschaft wiederholt Rechnungen bezahlen musste, die an sich ersatzpflichtige Anteile der Umbauarbeiten waren. Um aber den Weitergang der Arbeiten sicherzustellen, ist die Genossenschaft hier in Vorlage getreten. Eine Zusammenstellung dieser Kosten ist der Buchhaltung der Genossenschaft enthalten.

   

Während dieser ganzen Zeit gibt es immer wieder viel Dreck, außerdem bleiben Arbeiten unvollendet und Löcher bei den Bauarbeiten weiterhin offen. Über allem schwebt ständig die Angst um das teure Tanz-Parkett. Freiwillige Arbeiter demontieren das Gerüst, reinigen alles und entfernen die Abdeckung. Es zeigt sich, dass das Parkett keinen Schaden genommen hat und zum Glück noch alles in Ordnung ist.
 
Nach Einbau der Eisenträger bauen dann freiwillige Helfer der Genossenschaft das Lüftungsrohr zum zweiten Mal ein. Leider war von den Handwerkern vergessen worden, die ursprünglichen Durchbrüche des Lüftungsrohres wieder zuzumauern. Auch dies wird von der Genossenschaft in mühsamer Kleinarbeit nachgeholt. Dies wird natürlich dadurch erschwert, dass die Blechdecke bereits montiert ist und dadurch die Arbeiten auf sehr beengtem Raum ausgeführt werden müssen.
 
Ende Mai 2008 soll es entsprechend der ursprünglichen Planung der Bauleitung möglich sein, den Tanzbetrieb wieder aufzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Staubwände hinter die blaue Bar bis zum Eingang zurückversetzt und die Musikanlagen wieder eingebaut. Das Tanzlokal ist damit wieder als solches erkennbar, auch wenn zu diesem Zeitpunkt  eine
Wiederaufnahme  nicht sofort möglich ist.
                                                                                  
Und dann das Unvorstellbare! Ein Gewitter  vom 2. auf den 3. Juni. Das Wasser läuft über die Dachrinne auf das Parkett und in den Toilettenbereich, wo es große Schäden verursacht. Am 3. Juni wird die Hausverwaltung gebeten, den Schaden zu sichten, und die Versicherung wird informiert. Die Ursache ist schnell gefunden: Beim Aufbau des Giebels war auf dem Dach der Bauschutt vergessen worden, teilweise lag er auch in den Dachrinnen, so dass das Wasser nicht mehr ungehindert abfließen konnte. 

 

 

  Hier in der Mitte liegt der verstopfte Ablauf der Dachrinne

 
Die Genossenschaftsmitglieder entfernen das stehende Wasser umgehend und reinigen den Parkettboden sorgfältig. Da jedoch Wasser unter das Holz geraten war, begann der Boden aufzutreiben und sich zu wellen. Das  bedeutet, das ganze Parkett wird unbrauchbar und muss durch einen neuen Parkettboden ersetzt werden. Da die vorgesehene und vereinbarte Betriebsunterbrechung nun schon viel zu lange dauert, und die beauftragte Firma sich mit dem Entfernen des alten Parketts viel Zeit lässt, demontiert die Genossenschaft Mitte Juni den Boden in eigener Regie.
Das Parkett wird in kleineren Teilen herausgeschnitten und von Jugendlichen und Fremdarbeitern Stück für Stück die steile Treppe hinuntergetragen.
 
In Absprache mit der Trocknungsfirma Krüger wird beschlossen, mit der großen Lüftungsanlage, die pro Stunde 22000 Kubik Luft durchbläst, zu trocknen. Die Luft wird mit Hilfe der Lüftungsrohre in den Hohlboden geleitet, wo die Isolation feucht ist, und das Wasser steht.

Während dieser Zeit läuft das Wasser noch dreimal in den Tanzbereich, einmal am Sonntagabend bei einem Gewitter. Doch dank der Boogie-Woogie-Tänzer, die gerade im kleinen Saal trainieren, kann das Wasser gleich mit Eimern aufgefangen werden. Die alarmierte Feuerwehr geht mit Leitern aufs Dach, kann dort jedoch nichts ausrichten. Dort wo der Abschluss zwischen der neuen Brandschutzmauer und dem Querbaudach zusammenkommt, fehlt die Dachrinne. So kann das Wasser wieder auf die Tanzfläche tropfen, teils auch sprudeln, weil die Dachrinne durch den Spengler noch nicht montiert ist.
 
Später wird ein weiterer Mangel festgestellt. Das Flachdach ist noch immer eine Baustelle und das Wasser kann durch Fugen in die Räumlichkeiten des Tanzzentrums Tonwerk bei der Discothek eindringen. Das Austrocknen dauert von Juni bis in den August hinein. Durch all das wird auch die Musik- und Lichtanlage wieder in Mitleidenschaft gezogen.
 
Die Brandmeldeanlage wird mit Hilfe von Jugendlichen neu erstellt und verkabelt. Neue Brandmelder werden montiert. Die Stromtrasse wird von Beton und Bauschutt gereinigt und die Kabel, die beim Abbruch entfernt worden waren, werden wieder neu eingezogen. Die beim Umbau teilweise demontierte Trasse wird ebenfalls wieder montiert. Alle diese Arbeiten werden von Jugendlichen unter Anleitung eines Elektrofachmannes vorgenommen.


Die Trennwände zu WC und Küche, die ursprünglich von der Feuerpolizei verlangt worden waren, sind im Zuge der Umbauarbeiten abgebrochen worden und müssen nun wieder neu auf gemauert werden. Dazu werden die alten Holländer-Steine verwendet, um das einheitliche Bild des Tonwerks erhalten zu können.
 
Die Bauleitung stellt dann fest, dass noch eine Heizverteilung für die neu erstellten Büros fehlt. Da kein anderer Platz gefunden werden kann, wird sie bei der Genossenschaft in das WC-Flurende eingebaut und durch eine Türe abgetrennt. Glücklicherweise hat das Tanzzentrum die alten Türen aufbewahrt. Grundsätzlich müssen einige Türen, die ausgebaut worden sind, anschließend wieder eingebaut werden. Entgegen der Zusicherung der Bauleitung passen diese Türen jedoch teilweise nicht mehr in die Öffnungen. Der Bauschreiner der Genossen- schaft sorgt für Abhilfe.

 

Es stellt sich heraus, dass die Maurerarbeiten zum Teil sehr schlecht ausgeführt worden sind. Das Sichtmauerwerk weist teilweise Löcher auf. Die Maurer lachen nur über die entsprechenden Vorwürfe und schlagen vor, die Löcher durch Verputzen der Wände zu überdecken. Da dies dem Stil des Tonwerks widersprochen hätte, werden die Mauern an einzelnen Stellen wieder abgebrochen und neu auf gemauert. Kitt, Farbe, Spachtelmasse und zahlreiche Freiwillige helfen anschließend, das Tonwerk zu restaurieren und im ursprünglichen Stil zu erhalten.
 
Im Juli wird auf Verlangen der Hausverwaltung der Lift über die wieder instandgesetzte Schließanlage vom Tanzzentrum abgetrennt. Auch dies mit großem Aufwand. Jetzt kann er von den neuen Mietern und von den Bauarbeitern zu Transportzwecken benutzt werden. 
Ebenfalls im Juli baut die Genossenschaft auf der Galerie einen Brettschichtträger ein und verwendet zusätzlich den Fenster-Restposten aus dem Umbau.  

  
Viele Freiwillige und Jugendliche führen in der Folge Aufräumarbeiten aus (Bauschutt wegräumen, Reinigungsarbeiten und vieles Andere). Die große Baureinigung und das Reinigen des Lüftungssystems müssen jedoch von Profis erledigt werden.  

Damit der neue Parkettboden endlich eingebaut werden kann, muss alles sorgfältig gereinigt werden, da es nach dem Verlegen keinen Staub mehr geben darf.
 
Auch der Kaminfeger muss tätig werden. Er reinigt die Abluftrohre der Gasheizung vom Baustaub. Es stellt sich heraus, dass die ganze Kaminleitung verstopft war.

 

Endlich, am 14. August 2008 ist es so weit: Das Parkett wird angeliefert und der Bodenleger bereitet alles zum Verlegen vor. Da die Beanspruchung eines Parkettbodens  in einem Tanzlokal eine andere ist, als in einem anderweitig genutzten Raum, werden dem Bodenleger Muster des alten Bodens vorgelegt, und er wird auf die Wichtigkeit einer optimalen Verleimung deutlich hingewiesen. Trotz dieser Hinweise läuft die Verlegung des Parketts  nicht nach Wunsch. Arbeiten des Verlegens, des Ölens und des Wachsens sowie das Polieren werden nicht zur Zufriedenheit und auch nicht im versprochenen Zeitraum ausgeführt. Es kommt dadurch schließlich zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem für das Parkett zuständigen Genossenschaftsmitglied und dem Inhaber der beauftragten Firma.

 

Fest steht auf jeden Fall, dass etliche Arbeiten des Parketteinbaus insgesamt, die von der Versicherung an die Bodenlegerfirma bezahlt worden sind, von der Genossenschaft erledigt wurden.  Die Genossenschaft hat deshalb in Übereinstimmung mit der Versicherung eine entsprechende Rückerstattung der Beträge für diese Arbeiten bei der beauftragten Firma angefordert. Ein detaillierter Bericht über den unbefriedigenden Verlauf der Parkettarbeiten und weitere Einzelheiten steht dem Vorstand der Genossenschaft als Interna zur Verfügung. 
 
Während der ganzen Zeit treten noch weitere ärgerliche Zwischenfälle auf. So lässt z.B. ein Mitglied der Bauleitung den für die Genossenschaft vorgesehenen beleuchteten Werbekasten, der ihn offenbar stört, von einer Elektrofirma demontieren. Die Stromleitungen werden einfach weggerissen und abgeschnitten. Obwohl beim Tanzzentrum stets jemand erreichbar war  – es wurde ja gerade renoviert –  ist niemand informiert worden.
Leider kommt es während der Umbauphase auch zu verschiedenen Diebstählen. Vor allem Staubsauger, Werkzeug, Transportrollis, Elektrokabel und Getränke sind offenbar sehr begehrt.

 

Anfang Oktober fangen die Genossenschaftsmitglieder wieder an einzurichten und müssen dabei feststellen, dass die Ton- und Lichtanlagen durch die wochenlange Feuchtigkeit und die andauernde Staubbelastung sehr in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Durch Gips, Beton, Feuchtigkeit und Staub hatten die Geräte angefangen, Grünspan zu bilden und der aggressive Staub führte zu Oxidation  und Rost. Alle Sicherungselemente im Stromverteilungskasten müssen erneuert werden. Die Lichtgeräte, Musik-PC und Musikanlage, die von Wasser und Staub in Mitleidenschaft gezogen sind, müssen jetzt wegen Kurzschlussbrandgefahr ersetzt werden. Auch die Beleuchtungsmittel müssen ausgetauscht werden, weil sie durch die Vibrationen am Bau Schaden erlitten haben.

 

Ebenfalls im Oktober wird der Lift nach langem hin und her umgebaut. Vorab hatte der Bauleiter die Reservationsschalter ausbauen lassen, weil er der Meinung war, dass diese nicht mehr gebraucht werden. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass sie doch notwendig sind, da wegen der fehlenden Schalter bereits zweimal Reparaturen bei den Lifttüren angefallen sind.


 Anfänglich waren alle Helfer sehr motiviert zum Mithelfen, und die Kursteilnehmer  zeigten Verständnis hinsichtlich der Unterbrechung ihrer Tanzkurse. Aber der gesamte ablauf und die unzähligen, eigentlich vermeidbaren Vorfälle nahmen im Laufe der Zeit vielen von unseren Freiwilligen das Engagement und die Bereitschaft zur Mitarbeit. Die dadurch fehlenden Arbeitsstunden mussten mit dem Einsatz von Jugendlichen aufgefangen werden. Sie verrichten in dieser Zeit mehr als 1000 Stunden Jugendarbeit. Nur dadurch wurde es möglich, den Betrieb Ende Oktober 2008 offiziell wieder aufzunehmen. Gegenüber dem eigentlich vorgesehenen Eröffnungstermin im Juni war das leider eine Verzögerung von mehreren Monaten.
 
Diese Verzögerung bedeutet für die Genossenschaft einen wesentlichen finanziellen Verlust. Viele der Kursteilnehmer, die eine Gutschrift für die Unterbrechung ihres Kurses im Frühjahr erhalten haben und wiederholt vertröstet werden mussten, waren irgendwann nicht mehr bereit, monatelang auf die Fortführung ihres bereits bezahlten Kurses zu warten. Rückzahlungen, unzufriedene Kundschaft, schlechte Publicity –sogar bis zu Konkursgerüchten-  waren die Folge. Auch externe Gäste, die wiederholt vergeblich in das Tonwerk kamen, und die nicht von uns orientiert und aufgeklärt werden konnten, bleiben jetzt teilweise weg.
Das bedeutet für die Genossenschaft, das sie nun  durch eine optimale Selbstdarstellung und entsprechende  Werbung einen  Neubeginn starten muss, der sicher nicht einfach und auch mit weiteren finanziellen Belastungen verbunden sein wird.

 

Anfang Frühling 2009 kam dann wieder ein kleiner Rückschlag, als es erneut einen Wassereinbruch im Büro gab. Weil nach heftgen Regengüssen der Ablauf des Flachdachs zu eng wurde, floss das Wasser ins Büro. Da es den Kabeln der Endstufen der Musikanlage entlanglief, wurden diese alle beschädigt. Somit kam es zu einem weiteren Versicherungsfall, da diese Geräte ersetzt werden mussten.

 

Im Sommer 2009 gab es ein Problem mit dem kleinen Saal, da der Platz für die Kurse doch ziemlich knapp war. Zudem war auch die Sitzecke, die aus Polstern bestand, bereits länger zu einem Sorgenkind geworden, weil sich darauf oft Abfall ansammelte. Nach baulichen Abklärungen wurde festgestellt, dass ein Träger, der etwas weit im Saal stand, nach hinten an die Fensterfront verschoben werden konnte. Somit konnten zwei Dinge gleichzeitig erledigt werden. Einerseits konnte der Saal durch die Zurücksetztung des Trägers etwas vergrössert werden, und zudem wurde die Sitzecke durch solide Holzbänke direkt unter der Fensterfront verbessert. Im gleichen Zuge wurden auch die Wände in diesem Saal neu gestrichen.

 

Im Denzember 2009 mussten von der Haubtstromverteilung im Getränkeraum bis ins Büro noch die Strom- und Netzwerkkabel ersetzt werden, da auf Grund des langen Umbaus viele davon beschädigt waren und es öfters zu Störungen kam. Dies waren aber dann auch die letzten baulichen Massnahmen im Tanzzentrum.

 

Bis Ende 2009 waren auch noch die letzten Rechnungen eingetroffen, die Lüftung und den  Sanitärbereich betreffed, so dass das Thema  Umbauarbeiten endlich als völlig abgeschlossen gelten konnte.
 
 

 
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